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Rede
zum 25-jährigen Jubiläum der FDP Hermannsburg
von
Dr. Harten Voss
Warum hat sich der Ortsverband gegründet?
Unser
Ortsverband hat sich 1980
gegründet, weil eine Bundestagswahl anstand. Es ging darum, die
sozialliberale Koalition unter Schmidt und Genscher weiterzuführen.
Kurze Zeit später aber waren die Gemeinsamkeiten zwischen der SPD und
der FDP aufgebraucht, Kanzler Schmidt hatte keinen Rückhalt mehr in
seiner eigenen Partei. Schmidt verlor die Vertrauensfrage. Es kam zur
CDU-FDP-Koalition, eine Veränderung,
die nicht nur auf Zustimmung bei den Mitgliedern in der FDP stieß. Ein
Teil trat aus der FDP aus, so auch Mitglieder in Hermannsburg. Der noch
junge Ortsverband musste sich neu positionieren.
Arbeit im Kreisverband
Wir
forderten damals die Trennung
von Parteiführung und Regierungsverantwortung, Einen
entsprechenden Antrag brachten wir zur Weiterleitung in den
Kreisparteitag ein. Wir haben auch sonst im Kreisverband unsere
Ansichten zu vertreten gewusst. Ich erinnere nur an den seinerzeit gegründeten
Basisausschuß,
die Diskussion um eine leistungsbezogene Komponente bei der Lehrerbesoldung
und ich weise darauf hin, dass
gerade unser Ortsverband vor der letzten Landtagswahl noch mal über
einen Antrag von der Parteiführung eingefordert hat, die Bezirksregierungen abzuschaffen, was teilweise ja
inzwischen auch geschehen ist.
Vertreter vor Ort
Neben
der Bundestagswahl hatten wir aber durchaus auch vor, in der
Kommunalpolitik mitzumischen und wir hielten es für erforderlich, in
verkrustete Strukturen frischen Wind zu bringen. Bei der Kommunalwahl
1981 erreichten wir auf Anhieb 8,6 % und dadurch konnten 2
FDP-Mitglieder in den Rat einziehen, Ulla Voss und Klaus Müller. Klaus
Müller gab den Vorsitz des
Ortsverbandes ab, um sich voll der Ratsarbeit widmen zu können. Ich übernahm
dann den Vorsitz für 10 Jahre. Bei der Kommunalwahl 86 kam dann statt
Klaus Müller Elisabeth Bahlke-Dittmer in den Rat. 1991 wurde die FDP
durch Jochen Gauglitz und mich vertreten, 1996 durch Robert Brand und
mich. Edmund Riggers übernahm den Vorsitz von 1991 bis 2004, als er
dann im Rat Ulla Voss ablöste, übernahm Herr Ruff den Vorsitz, so dass
wir jetzt nach wie vor 2 Mitglieder im Rat haben, Robert Brand und Eddi
Riggers.
Versammlungen
Ein
Merkmal unserer Versammlungen war, dass wir frei von der Leber weg
diskutiert haben, dass Gedanken
geäußert wurden, auch wenn sie noch nicht so ganz durchdacht waren,
dass wir unsere Ideen
vorbringen konnten, ohne das Gefühl des Gesichtsverlustes zu haben. Wir
haben nachgefragt,
wenn etwas noch nicht klar war, haben vieles mehrfach durchgekaut. Wir
haben den Funktionsträgern unsere Meinung gesagt, ihnen andererseits
aber die notwendige Entscheidungsfreiheit
gelassen und wir haben uns in der Regel solidarisch hinter sie gestellt.
Wir waren eigentlich ein ganz lebendiger
Haufen. Und wir können auf eine kontinuierliche Politik in der Kommune zurückblicken,
die ich als ideologiefrei und problembezogen ansehe, immer mit dem Blick
voraus auf die Auswirkungen und Finanzierbarkeit.
Finanzverhalten der Gemeinde
Und
hier hat uns immer eins gestört, nämlich die so gerne praktizierte Mischfinanzierung, womit wir mitten in die
Kommunalpolitik hineinkommen. Wir sind der Ansicht, dass diese Art der
Finanzierung dazu geführt hat, dass eine Unzahl von Maßnahmen durchgeführt
wurden und werden, die bei alleiniger Finanzierung unterblieben wären,
zumindest deutlich bescheidener ausgefallen wäre. Ich erinnere noch das
Prinzip der Drittelfinanzierung,
ein Drittel Verein, ein Drittel Gemeinde, ein Drittel Kreis. Inzwischen
hat die Geldnot der Kommunen da einen Riegel vorgeschoben. Wenn die
Kommunen die Aufwendungen für einige überregionale Vorhaben selbst
aufbringen müssten, manch ein Leader plus Projekt wäre unterlassen
worden. Manch ein Schwimmbad
im Kreis wäre nicht gebaut worden, wenn der Kreis keine Zuschüsse
gegeben hätte. Die Gemeindeverbindungsstraße
Baven-Hermannsburg wäre weniger aufwändig ausgefallen, hätte nicht
der Kreis 70 % der Kosten übernommen.
Themen
Wir
von der FDP haben immer versucht, sparsam
mit dem vorhandenen Geld umzugehen, um zu vermeiden, dass jetzt keine
Zuschüsse für die Vereine mehr drin sind, dass Gebühren
und Abgaben angehoben werden müssen. Ich möchte hier die von
uns abgelehnte Infrastrukturabgabe
besonders ansprechen. Andere Gemeinden sehen zu, dass Neubürger
zuziehen, die Kaufkraft bringen, die Geld in den Geschäften lassen, die
die vorhandene öffentliche Infrastruktur besser auslasten. Wir belasten
Neubürger bereits beim Kauf eines Grundstückes mit einer zusätzlichen
Abgabe von 5 Euro.
Wir
waren bei Sparsamkeit oder besser bei Bescheidenheit. Dass ein neues Rathaus notwendig war, ist unbestritten. Aber
musste es gleich so groß ausfallen, dass eine ganze Etage nicht benötigt
wird und Gott sei Dank an die Polizei vermietet werden konnte? An Zins
und Tilgung knabbert die Gemeinde immer noch. Wir waren auch der
Ansicht, dass die Bücherei
zu üppig ausgefallen ist. Die Finanzierung war damals schon schwierig
und ich erinnere mich gut daran, wie in der Finanzausschußsitzung
damals der Vorschlag kam, um den Haushalt wieder auszugleichen, könnten
die Mittel für die Anschaffung von Büchern ja eingespart werden. Das wäre
es denn noch. Eine schöne Bücherei ohne Bücher,
genauso frustrierend wie ein schönes Schwimmbad ohne Wasser. Zum
Schwimmbad haben wir schon vor Jahren den Vorschlag gemacht, das
Bad nur nachmittags als öffentliches Bad zu betreiben, vormittags das
Bad einem Frühschwimmerverein bis 8 Uhr und anschließend der Schule
unter Aufsicht der Lehrer zur Verfügung zu stellen. Weder die anderen
Parteien noch die Verwaltung waren dazu bewegen. Jetzt ist das Bad 4
Monate im Jahr geschlossen, weil es einfach nicht zu finanzieren ist.
Wir haben 180.000 DM ausgegeben für das Gutachten
Hermannsburg 2020, so ganz viel umgesetzt ist von den Vorschlägen
noch nicht. Wir haben 80.000 DM ausgegeben für eine Planung eines Kindergartens im Flachskamp. Die beiden großen Parteien waren
wie geprickt darauf, diesen Kindergarten zu bauen, sie konnten sich nur
nicht darauf einigen, ob er 2- oder 3-zügig sein sollte. Während
dieses Streites waren die Kinder älter geworden, kamen in die Schule
und siehe da, es ging auch ohne den Kindergarten und es geht bis jetzt.
Nun
ist es aber keineswegs so, dass die FDP sich an Negativbeispielen
festhält. Wir haben uns auch sehr ausführlich mit der Gefahrgutverordnung,
der Feuerwehr,
der Verkehrsführung,
den Möglichkeiten, den Ortskern
attraktiver zu gestalten, dem Personennahverkehr und dem Jugendzentrum befasst.
Beurteilungskriterien
Im
Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass es im Grunde genommen 3 Fragen sind, die wir Liberalen stellen und die uns auch
meistens zu einem gleichen Ergebnis kommen lassen. Diese 3 Fragen
lauten:
1) Ist die geplante Maßnahme eine Pflichtaufgabe für die Gemeinde?
2)
Kann der gewünschte Effekt möglicherweise günstiger
erreicht werden?
3)
Ist das Geld für die Finanzierung vorhanden oder müssen Schulden
aufgenommen werden?
Ich möchte das an einem
Beispiel verdeutlichen. Wir haben seinerzeit Stellung bezogen gegen
den Kauf eines Schredders.
Das Schreddern ist nicht Pflichtaufgabe der Gemeinde.
Das
Schreddern kann günstiger durch Unternehmen geleistet werden. Und Geld
war auch damals nicht mehr vorhanden.
Ein
weiteres Beispiel für die Effizienz der 3 Fragen: Die Straßenreinigung.
Es gab damals lange Diskussionen in der Bevölkerung, nicht aber in der
FDP. Straßenreinigung ist notwendig aber keine hoheitliche Aufgabe. Die
Gemeinde kann sie delegieren an die Anwohner. Sie hat es jahrelang nicht
getan und statt dessen ein Unternehmen durch die Hermannsburger Straßen
geschickt und das Geld war nicht vorhanden sondern musste aufgenommen
werden. Das bedeutet, die nächste Generation bezahlt dafür, dass wir
unsere Straßen angeblich als Anlieger nicht selbst reinigen wollten.
Man könnte weitere Beispiele anführen, z.B. die Rabattenpflege
neben einigen Gehwegen. Ich möchte aber nicht weiter darauf eingehen.
Ich möchte
aber klarstellen, dass gerade die FDP immer sehr genau die Notwendigkeit von Maßnahmen und deren Finanzierung beleuchtet hat und dabei
besonderes Augenmerk auf die Folgekosten
gerichtet hat. Die jetzige finanzielle Misere in den Kommunen hat sicher
verschiedene Ursachen. Für viele ist die Gemeinde nicht verantwortlich
zu machen. Aber nicht nur neue Verordnungen, Aufgaben, verminderte
Steuereinnahmen haben zu der Misere geführt. Wir haben auch über unsre
Verhältnisse gelebt. Wir als FDP nehmen für uns in Anspruch, hierauf
oft hingewiesen zu haben, auch schon frühzeitig.
Frühdenkerpartei
Denn
FDP heißt nicht nur Freie Demokratische Partei sondern auch Frühdenkerpartei.
Dass
dieses nicht nur so einfach dahergesagt ist möchte ich noch einmal
untermauern. Sie alle kennen die Stimmung in der Bevölkerung bezüglich
der Windenergieanlagen. Uns war es klar, dass diese
riesigen und rauschenden Anlagen Auswirkungen haben und zu Beeinträchtigungen
in mehrfacher Hinsicht führen würden. Wir haben daher gegen Anlagen in
dieser Höhe gestimmt, weil die Auswirkungen vorauszusehen waren.
Genauso war vorauszusehen, dass irgendwann die Gemeinde das Schwimmbad
nicht mehr wird finanzieren können.
Ausblick
Auf
unsere Ratsherren werden weiter vorauszusehende Aufgaben zukommen. Die
bereits begonnene Kooperation
mit den umliegenden Gemeinden wird intensiviert werden müssen, Verwaltungsstrukturen werden weiter
zusammengeführt werden müssen. Die Gemeinde wird sich noch mehr nur
auf die Kernaufgaben
konzentrieren müssen und sie wird sich letztendlich von weiteren teuren
Immobilien
trennen oder sie einer rentablen Nutzung zuführen müssen. Und ich sehe
auch für die Feuerwehren
die Notwendigkeit einer noch engeren Zusammenarbeit über die
Gemeindegrenzen hinweg, auch wenn es nicht populär ist, dieses Thema
anzupacken. FDP gleich Frühdenkerpartei. Vielleicht ist es uns vergönnt,
dass wir uns in 10 Jahren noch einmal über dieses Thema unterhalten können
Ich
bin sicher, dass die FDP und die FDP-Gemeinderatsmitglieder
unvoreingenommen bei der Lösung dieser und anderer drängender Probleme
mitwirken werden.
Dr.
Harten Voss
last update: 14.01.2012
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